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TONBILDER (Deutschland 1907/1908)

Als Vorprogramm zum Abschlussfilm am letzten Abend gab es noch etwas kurioses zu bewundern.

Für eine kurze Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sogenannte „Tonbilder“ ein populäres Medium. Bei den Tonbildern wurden kurze Filme mit einem Grammophon synchronisiert, so das man kurze Tonfilmclips vorführen konnte, lange bevor sich der Tonfilm Ende der 20er Jahre als Standard durchsetzte. Die Hochzeit der Tonbilder war nur kurz, etwa von 1907 bis 1908 und noch vor Beginn des ersten Weltkriegs war das Medium bereits wieder Geschichte. Doch in der kurzen Periode wurden massenhaft Filmchen produziert von denen der Großteil verloren ist. Auch ist über die Geschichte der Tonbilder wenig bekannt.

EDIT: Ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema von Anke Mebold findet sich hier.

Auf dem Hof wurden 2 Tonbilder vorgeführt, die man sich (neben vielen anderen)

hier angucken kann:

Flottenmarsch (1908)

und

Abends nach Neune: Duett aus „Durchlaucht Radieschen“. Nr. 11 (1907)





Da war doch noch was…

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Ich scheiterte kläglich daran, einen Text über AELITA (Der Flug zum Mars) zu schreiben. Gar zu komplex ist Yakov Protazanovs Science-Fiction-Fantasy-Satire aus dem Jahr 1924, das ich mich, gepaart mit mangelnden Geschichtskenntnissen, einfach nicht in der Lage sah, dem Film gerecht zu werden. Umso mehr überraschte mich, als ich einen Tag später auf dem Hof, auf nächsten Film wartend, Ohrenzeuge wurde, wie ein Mann seiner Bekannten, die den Film offenbar verpasst hatte, den Film perfekt und ausführlich in all seinen Facetten erklärte, und das obendrein in dem breitesten rheinischen Dialekt, den ich je gehört habe. Da habe ich innerlich ein großes Stück Demutstorte verspeist, wie man in England sagen würde.

Dann war da noch der alte Herr, klein, fragil und einsam wirkend, der aber stets vor den Filmen auf dem Hof unterwegs war und versuchte mit Leuten ins Gespräch zu kommen, auch mit mir. Er erklärte mir, das er die Stummfilme vor allem gerne sieht, weil sie ihn in die Jugendzeit seiner Eltern versetzen und er sich ihnen dadurch nahe fühlt. Das hat mich sehr berührt. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, das sich meine Kinder aus diesem Grund im Jahr 2100 (oder so) „Crocodile Dundee“ und „Phantomkommando“ angucken werden. Als der alte Herr dann mitbekam, das ich aus Hamburg komme, nahm das Gespräch eine etwas seltsame Wendung, als er dazu überging mir lang und breit von einem Reeperbahnbummel in den 60er Jahren zu erzählen, wo er „Geschlechtsverkehr auf offener Bühne“ gesehen hatte, was ihn schwer beeindruckt haben muss.

Das war es also für 2017. Selten habe ich mich so viel mit Wettervorhersagen und Regen-Radar-Apps beschäftigt. Das fast durchgängig schlechte Wetter hat der Veranstaltung aber anscheinend wenig geschadet, so vermeldet die offizielle Pressemitteilung rund 19.500 Besucher, die mit „wasserdichter Kleidung und anhaltender Euphorie“ dabei waren.

Ich jedenfalls zähle bereits die Tage bis zum nächsten mal.

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