Zum 40. Todestag.

 

von Elmar Podlasly

Elvis Presley wirkte in 31 Spielfilmen als Schauspieler mit. Landläufig gilt das Vorurteil, dass die meisten dieser Filme eher schlecht seien und Elvis kein guter Schauspieler war. Nun, als Kind war mir das egal. Ich war Elvis-Fan noch bevor ich lesen konnte. Schon mit 4 Jahren habe ich begeistert seiner Musik gelauscht, damals noch von einer Schallplatte (die Älteren werden sich erinnern). Indoktriniert hat mich der Sohn meiner Tagesmutter, er war 7 und somit schon ein alter Hase unter den Fans. Da ich mich sonst nicht mehr an viel aus dieser Phase meines Lebens erinnere, geschweige denn an die davor, kann ich also mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich an ein Leben ohne Elvis nicht erinnern kann. Da mein Vater Anfang der 80er Jahre zu den ersten gehörte, die einen Videorekorder besaßen, war ich in der glücklichen Lage, auch schon früh erste Elvis-Filme sehen zu können, auch die, die erst im Spätprogramm liefen und für die ich natürlich nicht aufbleiben durfte. Das Problem: mein Vater war der Meinung, nur mit den 5 Leerkassetten auskommen zu müssen, die er zusammen mit dem Gerät kaufte – das bedeutete, dass er ständig alles wieder überspielte und man sich beeilen musste, um die Filme mehr als einmal anzusehen, bevor sie seiner Lösch-Wut zum Opfer fielen. Wahrscheinlich nur deswegen habe ich damals VERSCHOLLEN IM HAREM viermal an einem Wochenende gesehen; denn wer wusste damals schon, wann der wieder mal läuft! Schließlich gab es nur drei TV-Programme – wir hatten ja nichts! Einige Jahre später wurde mir diese heimische Filmpolitik zu doof, daher begann ich, von meinem Taschengeld Leerkassetten zu kaufen, um Filme dauerhaft zu archivieren. Die ersten 20 Kassetten meiner eigenen Filmsammlung, ihr Grundstock, waren entweder Elvis-Filme oder Dokumentationen über Elvis. Elvis ist der Anfang aller Dinge.

Doch als Teenager begann ich allmählich aus der Elvis-Phase herauszuwachsen. Die Musik begleitete mich natürlich stets auf die eine oder andere Weise, aber schon bald hatte ich nur noch wenig Lust, erneut DIE WILDEN WEIBER VON TENNESSEE anzusehen und interessierte mich filmisch mehr für anderen Sachen.

Vermutlich habe ich schon seit 25 Jahren keinen Elvis-Film mehr angesehen. Bei vielen ist es wahrscheinlich auch bereits 30 Jahre her, und der eine oder andere mag mir gänzlich unbekannt sein.

 

DIE MISSION

Alle 31 Elvis-Filme innerhalb kurzer Zeit in chronologischer Reihenfolge angucken. Auf viele der Filme und den einen oder anderen Flashback in meine Kindheit freue ich mich. Vor einigen Filmen habe ich aber auch ein klein bisschen Bammel…

 

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01. LOVE ME TENDER (Robert D. Webb, USA 1956)

Den Anfang macht das Western-Drama LOVE ME TENDER, der in Deutschland mit dem reißerischen Titel PULVERDAMPF UND HEISSE LIEDER bedacht wurde. Der Film ist in schwarzweißem, wunderbaren Cinemascope gedreht und atmet ganz den Geist des alten Hollywood-Studiosystems. Elvis wird im Vorspann erst an dritter Stelle genannt (betitelt mit „introducing“) und spielt hier die einzige Nebenrolle seiner gesamten Filmkarriere.

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Richard Egan, Debra Paget & Elvis bei den Dreharbeiten

Im amerikanischen Bürgerkrieg überfällt eine Gruppe Soldaten der Südstaatenarmee, angeführt von Vance Reno (Richard Egan), einen Geldtransport der Nord-Staatler. Als sie mit dem erbeuteten Geld zu ihrer Einheit zurückkehren wollen, erfahren sie, dass der Krieg vorbei ist. Sie beschließen, das Geld zu behalten, um es unter sich aufzuteilen. Vance und zwei seiner Brüder kehren zurück auf ihre Farm, wo ihre alte Mutter (Mildred Dunnock), ihr jüngster Bruder Clint (Elvis) und Vance’ Verlobte Cathy (Debra Paget) immer noch leben. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lang, denn da der Familie erzählt wurde, Vance sei im Krieg gefallen, hatte Cathy stattdessen Clint geheiratet. Cathy und Vance lieben sich aber immer noch und versuchen, Clint etwas vorzuspielen, indem sie so tun, als ob schon lange nichts mehr zwischen ihnen wäre. Eines Tages kommen Vertreter der neuen Regierung ins Dorf, um nach dem erbeuteten Geld zu suchen. Die Kameraden von Vance‘ Einheit streiten sich um das Geld. Vance und seine Brüder wollen es zurückgeben, die anderen (unter ihnen 2 meiner liebsten Filmschurken, Neville Brand und L.Q. Jones) wollen es lieber behalten. Clint erfährt schließlich, dass Vance und Cathy sich noch immer lieben. Es kommt zu einer großen Konfrontation, bei der sich die ungleichen Brüder am Ende mit der Waffe in der Hand gegenüberstehen…

Ganze 21 Jahre alt war Elvis hier – und er machte seine Sache gut. Clint, der seinen großen Bruder erst anhimmelt, dann abgrundtief hasst, ist ein einfacher aber charmanter Junge vom Land: Eine Rolle, die Elvis wie auf den Leib geschrieben ist. Dennoch muss der Film für die erste Generation seiner Fans eine Geduldsprobe gewesen sein, denn es dauert fast 18 Minuten, bis er auftaucht, und ganze 22 Minuten, bis er das erste Mal singt! Ansonsten hat der Film einen altmodischen, etwas altbackenen Charme und ist kein schlechter Western – aber ein Rock ‘n’ Roll Film ist er mit Sicherheit nicht. Die Musik ist eher Country-lastig und wenn Elvis auf einem Dorffest seinen berühmten Hüftschwung praktiziert, wirkt dieser anno 1865 eher fehl am Platz. Der Film ist für die ganz große und breite Leinwand konzipiert und arbeitet sehr sparsam mit Großaufnahmen. Da verrät sich der Film dann doch als Elvis-Vehikel, denn dem Jungstar werden deutlich mehr Großaufnahmen zuteil als den erstgenannten Stars. Der heimliche Star des Films ist aber Richard Egans Gebiss, welches selbst im Dunkeln strahlend weiß zu leuchten scheint.

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ACHTUNG: SPOILER

Die kitschig-melodramatische Schlusseinstellung, bei der Elvis wie ein Geist, das Titellied über seinem eigenen Grab singend, eingeblendet wird, trieb mir als Kind die Tränen in die Augen. Heute kann ich aber damit umgehen.

Elvis wird zum ersten und einzigen Mal von Harald Juhnke synchronisiert, was heute lustige Assoziationen auslösen mag, damals war Juhnke aber ein Top-Sprecher. Dankenswerterweise wurde aber darauf verzichtet, die Lieder von ihm nachsingen zu lassen. Er synchronisierte zu der Zeit auch Marlon Brando (in DER WILDE und DIE FAUST IM NACKEN), von dem Elvis ein großer Fan war.

Weiter geht es nächste Woche mit LOVING YOU.

 

Vielen Dank an Sören Szameitat von der Elvis-Presley-Gesellschaft für die Bereitstellung von Bildmaterial.

Logo

http://www.epg-ev.de

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